In den letzten Wochen hat der Pädagogikkurs der 9. Klasse eine Umfrage mit allen Schülerinnen und Schüler des 5.-12. Jahrgangs durchgeführt und diese nun final ausgewertet.

Die Ergebnisse entsprachen in vielen Punkten den bekannten Studien zum Leseverhalten, jedoch war für den Pädagogikkurs besonders interessant, dass das Lesen an sich von den aller meisten Schülerinnen und Schüler als wertvoll wahrgenommen wurde.

Bei allen Stufen zeigte sich, dass den meisten als Kind vorgelesen wurde, hier dominierten die Klassiker: Bilderbücher, Märchen und Kinderbücher. Doch, obwohl allen Kindern vorgelesen wurde, wurde schnell deutlich, dass gerade auf die Frage: „Wie viel liest dein Umfeld“, ein Unterschied im Alter und den Geschlechtern deutlich wurde. So zeigte sich, dass je älter die Kinder wurden, umso öfter gaben sie an, dass ihr Umfeld wenig liest. Dies wurde ab der 8. Klasse immer deutlicher. Der Kurs reflektiert darüber, dass die Kinder dies vielleicht auch weniger wahrnehmen, da sich der Alltag der Familien verändert und auch weniger Zeit im rein häuslichen Umfeld verbracht wird. Doch ein weiterer Faktor, der vermutlich dazu beiträgt, dass das Lesen weiter in den Hintergrund gedrängt wird, zeigt sich vor allem in der immer weiter zunehmenden Handy- bzw. Tablet-Nutzung. Die Nutzung dieser Endgeräte nahm kontinuierlich ab der 7. Klasse zu, bis dann über die Hälfte eines Jahrgangs angab, über 4 Stunden an diesen zu sein. Die Lesezeit am Stück nahm dem gegenüber immer weiter ab, so dass fast alle angaben, nur noch weniger als eine Stunde am Stück zu lesen. Im gleichen Atemzug erläuterten die Befragten, dass sie nur noch wenig lesen, weil sie nichts Interessantes zum Lesen fänden oder auch ihre Konzentration dafür nicht ausreiche. Diese Ergebnisse waren natürlich besonders interessant für einen Pädagogikkurs, da die Abnahme von Konzentration und Zunahme von kontinuierlicher Ablenkung durch Social-Media auch Konsequenzen für eine gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen mit sich bringt.

Grundlegend zeigt sich über die Jahrgänge hinweg, dass Jungen weniger lesen als Mädchen, ihnen wurde jedoch auch weniger vorgelesen und sie durchschnittlich mehr Zeit am Handy verbringen als Mädchen. Auch hier stellt sich der Kurs die Frage, inwieweit dieses Problem „hausgemacht“ ist oder Jungen tatsächlich weniger gerne lesen. Im 5. Schuljahr war dieser Unterschiede im Leseverhalten zumindest noch nicht so gravierend, wie in den späteren Jahrgängen. Daher sollte man sich die Frage stellen, inwieweit es wichtig ist, dass man Lesen für alle Kinder und Jugendlichen attraktiv gestalten kann, damit alle in gleicher Weise von den positiven Effekten des Lesens profitieren können. Ein erster Ansatz könnte hier der Lesestoff sein, da sich zeigte, dass Mädchen Fantasy und Liebesromane (diese vor allem ab Klasse 7 aufwärts) präferieren, wobei Jungen eher zu Action- und Krimigeschichten tendieren. Vermutlich wäre es hier wichtig, die Lektürenauswahl zu Hause und in der Schule dahingehend zu erweitern.

Auf der anderen Seite gab eine überdurchschnittlich große Mehrheit, in allen Jahrgängen, an, dass das Lesen ihren Wortschatz erweitert, sich also positiv auf diesen auswirkt und zum andern sprachen sich auch die deutliche Mehrheit der Schülerinnen und Schüler für eine verbindliche Lesezeit von 10 Minuten aus. Viele gaben hier sogar an, dass 10 Minuten nicht ausreichen würden und sie lieber 20 Minuten hätten, wobei vielen auch bei diesem Vorschlag klar war, dass dies zeitlich (leider) nicht umzusetzen wäre. Nur der 12. Jahrgang (und ein etwas größerer Teil des 10. Schuljahres) gab bei dieser Frage an, dass sie dies nicht wirklich befürworten würden, sie führten dafür an, dass sie sonst den Stoff fürs Abi nicht schaffen würden, was aus ihrer Perspektive natürlich völlig sinnig erscheint.

Der Pädagogikkurs arbeitet nun an diesen Ergebnissen weiter und versucht möglich Umsetzbarkeiten am SGE zu prüfen. Z.B. würden sich gemütliche Leseecken anbieten, da (eigentlich alle) Schülerinnen und Schüler angaben, dass sie am liebsten im Bett, der Couch oder am Strand lesen - lesen braucht also Gemütlichkeit und vielleicht können wir für diese am SGE noch mehr sorgen. 😊